Am 27. und 28.09.2018 fand zum sechsten Mal der gemeinsame Qualitätskongress der Deutschen Gesellschaft für medizinische Rehabilitation DEGEMED und des Fachverbands Sucht FVS statt, wobei bereits zum dritten Mal die Räumlichkeiten der Urania Berlin genutzt wurden. Die inhaltlichen Schwerpunkte setzte die Veranstaltung auf die Umsetzung ausgewählter Anforderungen an Qualitätsmanagementsysteme in der Rehabilitation sowie auf die Themen Entlassmanagement und Qualitätsdialoge mit den Leistungsträgern.
 
Der Kongress richtete sich vor allem an Qualitätsmanagerinnen und Qualitätsmanager der Rehabilitationseinrichtungen. Jedoch nutzten auch in diesem Jahr zahlreiche Einrichtungsleitungen und Ärztliche Leitungen die Möglichkeit, sich aktuell über qualitätsrelevante Themen in der Rehabilitation zu informieren. An der Veranstaltung nahmen auch wieder Vertreter der von DEGEMED und FVS anerkannten Zertifizierungsstellen, darunter EQ ZERT, im Rahmen des Ausstellerforums teil. Über 120 Teilnehmende nutzten die Möglichkeit, Fachinformationen zu sammeln und sich im Rahmen des Ausstellerforums und bei der gemeinsamen Abendveranstaltung aktuell zu informieren und fachlich auszutauschen.
 
Vorträge zur Umsetzung der QM-Anforderungen
Nachdem am 14.09.2018 die Übergangsfrist zur Umstellung von Zertifizierungen nach den aktuellen Auditleitfäden von DEGEMED und FVS abgelaufen ist, konzentrierte sich der erste Kongresstag vor allem auf Umsetzungsbeispiele zu ausgewählten Anforderungen aus den Auditleitfäden.
 
Zur Einstimmung in diese Thematik wurden im Auftaktvortrag nochmals Hintergründe und Intentionen bei der aktuellen Überarbeitung der ISO 9001 durch ein Mitglied des deutschen Normenausschusses erläutert. Im Anschluss daran wurde mit der Wissensmatrix ein neues Mitglied unter den von DEGEMED und Fachverband Sucht entwickelten Werkzeugen zur Umsetzung zentraler Aspekte aus den Auditleitfäden vorgestellt. Hierzu wurden zunächst die wesentlichen Anforderungen des Kapitels „Wissen der Organisation“ umrissen, um dann mit der Wissensmatrix ein mögliches strukturiertes Werkzeug zur Umsetzung der betreffenden Anforderungen vorzustellen. Diese Matrix soll dabei Anregungen und eine Orientierungshilfe zum Thema „Wissen“ bieten. Sie enthält Vorschläge zu möglichen Wissensthemen und für einen systematischen Umgang mit diesen Themen in einer Rehabilitationseinrichtung. Die Wissensmatrix soll von den Anwendern als Leitfaden und nicht als verbindliche Vorgabe zur Umsetzung der Anforderungen zum Thema „Wissen einer Organisation“ verstanden werden.
 
In einem weiteren Vortrag wurde anhand von praxisorientierten Beispielen die Bedeutung eines systematischen Fehlermanagements als Grundlage für den Prozess der Ständigen Verbesserung dargelegt. Hierbei wurden sowohl der eigentliche Fehlermanagementprozess als auch zahlreiche praktische Beispiele anschaulich vorgestellt.
 
Aus aktuellem Anlass fand auch das Thema Datenschutz vor dem Hintergrund der neuen Datenschutz-Grundverordnung Einzug in das Kongressprogramm. Neben einem kurzen Abriss zur Umsetzung des Datenschutzes in Rehabilitationseinrichtungen wurde den Teilnehmenden anhand mehrerer Beispiele die Wichtigkeit effektiver Maßnahmen zur Gewährleistung der Datensicherheit verdeutlicht.
 
Humorvoller Tagesausklang
Eine Dosis Humorpillen verschrieb Matthias Prehm bereits zum zweiten Mal auf dem Qualitätskongress. Unter dem Motto „Pflege Deinen Humor“ warf er einen komplett anderen Blick auf das Gesundheitswesen und strapazierte dabei vor allem die Lachmuskeln der Zuhörer. Die Aussagen von Matthias Prehm, wenn auch mit einer gehörigen Portion Humor verpackt, hatten immer die Alltagsprobleme sowohl im Beruf als auch im Privatleben im Blick. Und so wurde durch den sehr anschaulichen Vortrag für die Anwesenden deutlich, warum Sinn für Humor (in der richtigen Dosierung) so wichtig ist.
 
Qualitätsvorgaben der GKV und der DRV
Der zweite Kongresstag widmete sich mit der gesetzlichen Verpflichtung der Krankenhäuser und stationären Reha-Einrichtungen zum Entlassmanagement für Patienten / Rehabilitanden der GKV einem sehr aktuellen und gleichzeitig hochbrisanten Thema.
 
Im ersten Vortrag wurden anschaulich die Anforderungen an das „neue“ Entlassmanagement in Rehaeinrichtungen vorgestellt und dabei auch auf die zahlreichen Problemstellungen und Auswirkungen hingewiesen. Die im November 2015 begonnenen Verhandlungen zwischen Leistungsträgern und Leistungserbringern haben bisher nicht zu einem Konsens geführt, sodass im März 2018 das Bundesschiedsamt angerufen werden musste. Hintergrund für den fehlenden Konsens sind vor allem die sehr unterschiedlichen Bewertungen der finanziellen Auswirkungen auf die Rehaeinrichtungen durch die beteiligten Partner.
 
Mit einem Erfahrungsbericht zum GKV-Entlassmanagement aus dem Akutbereich wurde sehr deutlich dargelegt, dass die organisatorischen und finanziellen Auswirkungen der neuen Anforderungen an das Entlassmanagement immens sind und vor allem für deren Umsetzung wesentlich mehr Zeit beansprucht wird, als ursprünglich angenommen.
 
Der Abschluss des Kongresses konzentrierte sich auf die aktuellen Qualitätsvorgaben der DRV, und hier speziell an den Rahmenbedingungen zum strukturierten Qualitätsdialog zwischen Kostenträger und Leistungserbringer sowie der systematischen Nutzung von Qualitätsindikatoren für die Belegungsteuerung. Im Bereich der qualitätsorientierten Belegungssteuerung soll nun ab Januar 2019 eine Machbarkeitsstudie zur Umsetzung der vereinbarten Kriterien und Anforderungen an die Belegungssteuerung in der Indikation Orthopädie über einen Zeitraum von 12 Monaten erfolgen. Man darf gespannt sein, welche Erfahrungen in der praktischen Umsetzung hierzu gewonnen werden.
 
Auch in diesem Jahr wurde der Qualitäts-Kongress von DEGEMED und FVS als sinnvolle und aktuelle Plattform für den fachlichen Austausch von Qualitätsmanagerinnen und Qualitätsmanagern bewertet. Deshalb freuen wir uns auf die Fortsetzung der Kongress-Reihe im Jahr 2019.
 
 
 
 
 
 
 
Foto: ©iStockphoto.com/Chagin
 

 

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