Es begab sich zu einer Zeit, da ein weiser Mann durch den ach so grünen Wald schlenderte und dem fröhlichen Zwitschern der bunten Vögelein lauschte. Da plötzlich vernahm er ein gar unschönes Geräusch. War es das Schnarchen eines Bären? Nein – es war die stumpfe Säge, welche sich durch den Stamm eines dicken Baumes quälte.
 

Der weise Mann beobachtete den schwitzenden Säger mit seiner stumpfen Säge und fragte nach einiger Zeit des Überlegens: „Du Säger, warum mühst Du Dich so ab? Deine Säge ist ja ganz stumpf. Schärfe Sie doch einfach mal!“
Darauf sprach der Sägende: „Dafür habe ich keine Zeit, ich muss doch sägen!“

 

Doch der kluge Mann entgegnete: „Aber wenn Du Dein stumpfes Sägen kurz unterbrichst und Deine Säge schärfst, dann geht es doch dafür wieder viel besser vorwärts.“

 

Darauf antwortete der Säger: „Ich werde für das Sägen bezahlt und nicht für das Schärfen der Säge.“

 

Woraufhin der weise Mann meinte: „Aber es muss doch nicht sein, dass Du Dich dabei so plagst.“

 

Und der Säger entgegnete: „Da muss ich Dir Recht geben, weiser Mann. Meine Arbeit ist eine wahre Plackerei. Und die Arbeit wird von Stunde zu Stunde schwerer. Dafür muss ich jetzt endlich einmal besser entlohnt werden.“

 

Noch einmal sprach der weise Mann: „Wenn Du Deine Säge schärfen würdest, wäre es aber nicht mehr ganz so anstrengend. Auch wäre Dein Schnitt viel sauberer und Du könntest viel mehr Bäume am Tag absägen.“

 

Doch der Säger ließ sich nicht beirren und meinte: „Woher willst Du das denn wissen? Solange das nicht durch unsere Gelehrten gänzlich erforscht und öffentlich verkündet wurde, werde ich so weiter sägen!“

 

Und wenn er nicht gestorben ist, so sägt der Säger auch heute noch am selben Stamm.

 
Foto: photocase©oeda

 

 

 

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