Mit Verabschiedung von diversen Gesetzen, Vereinbarungen und Richtlinien versuchen Kassen und Gesetzgeber, die im Gesundheitswesen tätigen Organisationen zu Qualitätsmanagement zu zwingen. Geeignete Maßnahmen müssen eingeführt und ein wirksames Konzept zur Qualitätssicherung und zum Qualitätsmanagement müssen nachgewiesen werden. Doch ohne Überzeugung funktioniert Qualitätsmanagement nicht.

 
Durch die gesetzlichen Vorgaben zur Einführung von Qualitätsmanagementsystemen entstehen auch im Gesundheitswesen, wie zuvor bereits in anderen Bereichen, „kostengünstige QM-Alternativkonzepte“ zur Erfüllung der entsprechenden Forderungen. Diese sollen es auch „Schlamperläden“ ermöglichen, ohne Veränderung/Verbesserung schnell und billig ein Zertifikat zu erlangen und so die geforderten Qualitäts-Nachweise erbringen zu können. Fast wöchentlich gründen sich darum neue Zertifizierer mit klangvollen Namen, die mit sehr „individuellen“ Ideen zur Umgehung von Aufwand und Kosten jedem Qualitätsmuffel zu seinem Qualitätszertifikat verhelfen wollen. Dabei werden dann auch schon mal Akkreditierungen von Zertifizierungsstellen durch ebenso „individuelle“ Akkreditierungsstellen vorgeschoben, die eine vermeintliche Seriosität vermitteln sollen. Immer wieder taucht dabei auch die „all inclusive“-Variante auf, bei der zum Pauschalpreis Beratung und Zertifizierung aus einer Hand angeboten werden – das Ganze meist innerhalb weniger Wochen abwickelbar, mit Musterhandbuch, Zertifizierungsgarantie und oft sogar mit Qualitäts- und Umweltzertifikat im Doppelpack.
 
Leider wird es bei diesem ganzen Wirrwarr für Qualitäter, die es ernst meinen, immer schwieriger, zwischen seriösen und zweifelhaften Anbietern, sowohl auf Berater- als auch auf Zertifiziererseite unterscheiden zu können. Erfahrung und Referenzen zählen für beide – bei den Zertifizierern sollte mittlerweile jedoch nicht nur auf eine bestehende Akkreditierung geachtet werden, sondern auch darauf, von wem diese ausgesprochen wurde. Denn die Anerkennung von Zertifikaten wird nur dann sichergestellt sein, wenn Zertifizierer und Akkreditierer an die entsprechenden internationalen Regelungen angeschlossen sind – in Deutschland ist das die Deutsche Akkreditierungsstelle DAkkS.
 
Bekanntlich gilt im Zertifizierungsmarkt nicht mehr nur, ob man ein Zertifikat hat, sondern vielmehr nach welchem Standard und von welchem Zertifizierer dieses Zertifikat erteilt wurde. Das ist mittlerweile genauso wie in allen anderen Märkten – denn Autointeressierte beeindruckt ja auch nicht nur die Tatsache, dass man ein Auto hat, sondern vielmehr Typ und Hersteller.
 
Individuelle branchenspezifische Zertifizierungsmodelle sind dabei durchaus sinnvoll, solange sie nicht das Ziel haben, möglichst jedem „Schlamperladen“ schnell und ohne etwas verändern bzw. verbessern zu müssen zu einem Zertifikat zu verhelfen. Organisationen wie das Diakonische Institut für Qualitätsentwicklung oder die DEGEMED bzw. der Fachverband Sucht haben bereits frühzeitig erkannt, dass sie für ihre Mitgliedseinrichtungen kein billiges Alibimodell brauchen, sondern ein QM-Modell, das es den Einrichtungen ermöglicht, durch geplantes und systematisches Handeln, ihre Ziele zu erreichen und so ein langfristiges Überleben zu sichern.
 
Denn Qualitätsmanagement bedeutet, Effektivität (Wirksamkeit) und Effizienz (Wirtschaftlichkeit) gleichermaßen zu erreichen sowie die Erfordernisse aller internen und externen Interessenpartner (Patienten/Rehabilitanden/Bewohner, Lieferanten/Partner, Gesellschaft sowie Kostenträger, Führung, Mitarbeiter) zu einem möglichst hohen Grad zu erfüllen.
 
 
 
 
 
Foto: ©iStockphoto.com/daizuoxin
 

 

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